Holla die Waldfee


KRITIK aus der BERLINER MORGENPOST

Wie man über den tristen Alltag lachen kann

Kabarett

Wenn er auf der Bühne steht, hat Robert Louis Griesbach eigentlich permanent Angst davor, dass gerade in diesem Moment der dicke Einrichtungspanzer von RTL daheim vor seiner Tür steht und seine Wohnung ruckzuck in einen Ikea-Katalog verwandelt. Am liebsten würde der Komiker seine Show deshalb total herunter kürzen. Geht aber nicht, denn er hat sich gleich mehrere Anfänge ausgedacht. Etwa den in roten Strumpfhosen als kultiviert herumhüpfender Ballettkoloss. Denn egal, welche Model-Maße das Fernsehen auch vorgeben mag: Unser Mann aus Lichterfelde steht zu gutem Essen und zeigt es selbstbewusst.

Am liebsten aber ist ihm der swingende Auftakt frei nach Michael Bublés "Feeling Good". Griesbach "Fühlt sich so gut", dass er bei der Premiere in den Wühlmäusen die frei werdende Lampenfieber-Energie gleich in Tempo umwandelt. Kaum einer wechselt Rollen, Dialekte, Kostümierungen und musikalische Genres derart a presto wie der Berliner Lokalmatador. Deshalb hat er seine funkelnagelneue One-Man-Show auch "Holla die Waldfee!" genannt. Was Robert Louis Griesbach zeigt, ist Entertainment pur. Wenngleich er die Politiker auch schon mal in einem Nebensatz gekonnt bissig abwatscht, sind es doch vor allem seine immense Wandlungsfähigkeit und seine hohe Musikalität, die den Abend zum Genuss machen. Er mimt Johannes Heesters, singt als Xavier Naidoo "Dieses Steak könnte weicher sein" und zelebriert mit dem Publikum eine interaktive Telenovela. Seine unerschöpfliche Fundgrube ist der scheinbar so normale Alltag, den er mit skurrilen Figuren in irrwitzige Szenerien verwandelt.

Zum Lachen schön.

Wer Griesbach diesmal verpasst hat, darf sich im Herbst auf ein weiteres Gastspiel freuen.

Ulrike Borowczyk


Aus der Berliner Morgenpost vom 26. März 2008




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